Wohnreportagen

Wohnreportage Zur Arbeit nach Hause

Wohnreportage Designer Pietro Russo

Welt existiert für Pietro Russo nur als Ganzheit: Alle Sinne sollen in die Erfahrung von Raum und Design mit einbezogen sein, und die klassische Trennung von Wohnen und Arbeiten findet er auch nicht schlüssig. Gemäß diesen Überzeugungen schuf sich der Mailänder Designer mit süditalienischen Wurzeln ein Wohnstudio, in dem die Grenzen zerfließen. Das Besprechungszimmer ist gleichzeitig der Salon, die Wohnküche dient auch als Pausenraum und selbst wenn nicht alle Objekte darin von Pietro Russo stammen, wird seine gestalterische Absicht mehr als klar: Leben und Arbeiten sollen Freude bereiten, unterstützt von warmen Materialien, haptischen Texturen und subtilen Mustern. Dabei hilft, dass Russo Gestaltung vom Kleinen bis zum Großen beherrscht: Nach einer Ausbildung in Kunst und Keramik studierte er Bühnenbild. Zudem ist er ein temperamentvoller Designer, der gerne selbst Hand anlegt. Ein zartes Relief im Studio hat er selber produziert, viele Möbel und Objekte entstehen in der eigenen Werkstatt, direkt unter den Büros.

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„Mich inspirieren Pflanzen und das Exotische“, verrät Pietro Russo, während er mit leuchtenden Augen durch sein Reich führt. Das Blumenregal „Ginko“ folgt den Formen der Natur und ist mit feinem Ornament verziert. Andere Arbeiten wie die Leuchten „Sat“ und „Daffodil“ bringen einen Hauch von Space Age ins Studio in der Città Studi, nur wenige Fußminuten von der berühmten Bar Basso entfernt. „Esotico Futuribile“ (Futuristische Exotik) nennt Pietro Russo das naturaffine Ambiente mit einem Stilmix aus tropischen Pflanzen, edlen Hölzern und samtigem Marmor. „Noch vor wenigen Jahren wurde selbst Holz so stark gesäubert, dass es keinerlei Struktur mehr besaß und tot wirkte. Doch Materialien müssen lebendig sein. Genau wie bei einem menschlichen Gesicht: Es sind die kleinen Unebenheiten, die es spannend machen“, erklärt Russo. Vor der Gründung seines jetzigen Büros im Jahr 2010 hatte der Designer ein paar Jahre in Berlin gelebt, danach war er für Piero Lissoni tätig. Die Überzeugung, die sich durch diese Stationen immer stärker herauskristallisierte, war, dass Gestaltung dauerhaft Freude machen sollte: „Mich ermüden Dinge, die man schon bald nicht mehr sehen kann. Darum folgen meine Arbeiten der Idee des Neoklassischen.“ In den Regalen reihen sich unzählige Bücher und Fundstücke, von Vasen und Figuren bis zu historischen Werkzeugen. „Ich sammle Dinge, die mich inspirieren“, erklärt der gebürtige Pugliese. Besonderen Sinn für Textur zeigt Russo mit einem zehn Meter breiten Relief an der Rückwand des Raumes: „Ich habe nach Gipssorten mit möglichst unterschiedlichen Weißtönen gesucht. Mit ihnen habe ich eine stilisierte Wolke gefertigt, die an Kupferstiche des 18. Jahrhunderts erinnert“, erklärt er. Vor drei Jahren hat er seine Studioräume bezogen, die sich über ein Hochparterre sowie ein 90 Quadratmeter großes Souterrain mit Werkstatt erstrecken. Nicht am Computer, sondern dort unten, zwischen Hunderten von Gläsern mit Farbpulvern und Harzen, entwickelt Pietro Russo seine Ideen. Ihn reizt das Echte, das Greifbare und er verwendet viel Zeit dafür, die Oberflächen seiner Objekte auszuarbeiten. Und dann geht es direkt an die Produktion: Die meisten seiner Möbel werden hier, in der Werkstatt, von seinen Mitarbeitern gebaut und in maßgefertigten Boxen weltweit verschickt.

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Schlagworte
Innenarchitektur | Inneneinrichtungen | Wohnungen