Wohnreportagen

Große Oper, noble Gäste Apartment von Interiordesigner Peter Buchberger

Apartment von Interiordesigner Peter Buchberger

Opernfestspiele München 1998, Premiere von „Tristan & Isolde“ am Nationaltheater. Ein junger Mann stiehlt sich durch den Bühneneingang in die Loge. Verschlingt die Inszenierung, streift in der Pause ohne Schuhe durch das Gras im Hofgarten. „Ein absoluter Glücksmoment!“, ruft Peter Buchberger fast zwanzig Jahre später. Er spürt noch immer den Tau auf den nackten Sohlen. Auch heute läuft er barfuß. Stellt mit leichter Handbewegung eine Platte Parmaschinken auf seinem Laptop ab, angelt sich eine Scheibe mit den Fingern, trinkt ein Glas Weißwein im Stehen. „Bei uns geht es sehr familiär zu“, sagt er. Seine Assistentin im Planungsbüro auf der gegenüberliegenden Straßenseite nennt der Interiordesigner „Frau Buchberger“.

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Im Moment betreut sein Team elf Großprojekte, von Luxushotels bis zu Privatvillen. Sein erster Coup als Innenarchitekt war die Villa Flick am Starnberger See. Das war im Jahr 2000. Fünf Jahre später gab er dem Käfer-Restaurant ein stilbildendes Gesicht. Damit begann seine Karriere im Nobelgastronomiegeschäft, und mit Michael Käfer ist er bis heute befreundet.

Apartment von Interiordesigner Peter Buchberger

Die exzentrischen Stühle und der gemusterte Teppich bringen einen Hauch von Drama in den Essbereich. Der Tisch stammt von der Schreinerei Belfakto aus Bitburg. Der Schmetterling auf rosa Grund ist ein Aquarell der Künstlerin Jorinde Gersina.

Seit 1999 wohnt er in einer ruhigen Seitenstraße von Bogenhausen. Das Haus von 1968, ein Stahlbetonbau mit umlaufenden Glasbalkonen, ist eine Hommage an Mies van der Rohe, geplant von Otto Steidle. Buchbergers heutige Wohnung in der ersten Etage stand lange zum Verkauf. „Niemand erkannte ihr Potenzial“, sagt er. Er sah sich das Apartment an, 130 Quadratmeter, vier Zimmer, klassische Raumaufteilung. „Viel zu viele Türen“, erinnert er sich. „Und trotzdem hatte ich sofort vor mir, wie es hier einmal aussehen wird.“ Buchberger kaufte, mietete einen Minibagger und riss persönlich fast alle Wände ein. Dann ließ er zwischen Schlafzimmer und Bibliothek einen Raumteiler hochziehen, einen weiteren zwischen Küchenzeile und Essbereich verspiegeln. Allein eine hängende Wand trennt jetzt das Entree vom Wohnzimmer: „Diese Raumschale habe ich seit 1999 nicht verändert. Für mich ein Beweis, dass gute Innenarchitektur zeitlos ist.“

Apartment von Interiordesigner Peter Buchberger

Dass eine Bibliothek kein langweiliger Raum sein muss, beweist Peter Buchbergers Inszenierung mit einer Tapete von Cole & Son, einer lederbezogenen Kommode und einer leicht überdrehten Fransenleuchte.

Und die ist hier, bei ihm zu Hause, eklektisch und durchdacht opulent. „Ich sehe mich nicht so sehr als Designer, sondern als Komponist“, sagt er. Sein Lebenspartner Branko Jovic meint: „Wenn wir über die Messe in Paris laufen, nimmt Peter nicht den roten Teppich, der den Rundgang markiert. Er läuft auf das zu, was ihm intuitiv gefällt.“ Tatsächlich hat sich Buchberger eine Kindlichkeit bewahrt, eine Begeisterungsfähigkeit und spontane Freude. Der Sohn eines Maschinenbauers schloss ein BWL-Studium in München ab – und entschied sich erst dann, in die Interiorszene zu wechseln. Er beginnt im Architekturbüro Heino Stamm, besucht Vorlesungen für Stukkateure, vergräbt sich in die Lektüre über Kunst- und Designgeschichte. Früh verehrt er Christian Liaigre, bewundert Jean-Louis Deniot. An den Inszenierungen des Mailänder Dimore Studios kann er sich kaum sattsehen. Dennoch: „Es muss nicht immer alles einen Namen haben“, sagt er und beginnt, den Esstisch mit Hermès-Tellern und Kristall von Saint-Louis zu decken.

Doch dann ist er wieder ganz bodenständig: „Ich komme aus Ingolstadt. Warum soll man ein Geheimnis daraus machen? Ich liebe meine Heimat, meine Eltern und mein Elternhaus.“ In die Donauauen zieht es ihn, wenn er das Großstadtglitzern hinter sich lassen will. In der Natur kommen neue Ideen. „Days off sind wichtig für mich.“ Mit familiärer Herzlichkeit bewirtet er später seine Gäste, plaudert mit der Designerin Natascha Schreiegg über eine mögliche gemeinsame Möbelkollektion, bespricht mit Freund Oliver Holy die nächste Kooperation. Freunde oder Geschäftspartner, Buchberger unterscheidet nicht, er gießt Champagner nach. „Ich finde es fürchterlich, sich wichtig zu nehmen“, sagt er.

Apartment von Interiordesigner Peter Buchberger

Nicht ohne meine Koralle: Im Entree der Wohnung Buchberger ist sogar die Konsole von Asiatides bis ins Kleinste lässig inszeniert – mit antiken Köpfen aus Bali, Leuchte und Sonnenbrille.

Das war früher anders: Seine Hörner stieß er sich in den 90ern ab. Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll – Affären mit Fotomodels, Stammgast im Münchner P1. Heute scheut er große Veranstaltungen. Auch Instagram und Pinterest sind nicht sein Metier: „Diese ewige Reproduktion eines Stils, das interessiert mich nicht.“ Welches Gefühl bleibt, wenn die Tür ins Schloss fällt und man die Stufen zum Ausgang hinabsteigt? Peter Buchberger ist ein Narzisst, aber das sind wir im Grunde alle. Er wird gern gestreichelt, aber er streichelt zurück. Er spiegelt sich gern. Er ist fasziniert von jeder schimmernden Oberfläche und von den Reflexionen, die seine Umwelt ihm zurückstrahlt. Früher mag er sich darin verloren haben. Heute drängt es ihn, tiefer in sich selbst und andere hineinzublicken. Er sucht den tieferen Sinn, das Gleichgewicht in sich, in der Beziehung zu anderen, in den Interiors, die er gestaltet. Auch in seiner eigenen Wohnung. Das Leben ist für ihn ein Drahtseilakt zwischen Leichtigkeit und Tiefe. Auf Baustellen trägt er meist Sneaker. Sie heißen passenderweise New Balance.

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Schlagworte
Innenarchitektur | Inneneinrichtungen | Wohnungen