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Ein Stück Kindheit Hof von Barnaba Fornasetti

Hof von Barnaba Fornasetti
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Käfer fasse ich an, Würmer nicht“, sagt Barnaba Fornasetti. Mit pastellfarbenem Anzug und Krawatte sieht er nicht aus wie jemand, der in der Erde wühlt. „Aber ja“, sagt er, „natürlich arbeite ich in meinem Garten, das beruhigt. Ich mache alles, einpflanzen, harken, stutzen“ – und schränkt gleich ein: „Leider haben ich nur selten Zeit.“ Doch es vergehe kein Tag in Mailand, ohne hier ein Blättchen zu zupfen, da eine Blüte zu streicheln: „Ein Garten ist auch ein haptisches Vergnügen.“

Oberflächen zu formen und zu gestalten ist sein Metier. Barnaba Fornasetti leitet das Mailänder Design-Atelier, das sein Vater Piero Fornasetti gegründet hat. Die Kunst- und Designwelt versucht noch immer vergeblich, den Autodidakten irgendwo zwischen Surrealismus und Pop-Art einzuordnen, zu seinen Fans zählen Avantgardisten wie Oligarchen. Seit seinem Tod 1988 ist sein einziger Sohn Firmenchef, heute fertigen 50 Angestellte neben Reeditionen auch neue Kollektionen von Wohn-Accessoires – was zusammen zweistellige jährliche Wachstumsraten im Umsatz erzielt.

Hof von Barnaba Fornasetti

„,Du bist das einzige wahre Unikat, das ich je gemacht habe‘, irgendwann hat mein Vater mir das einmal gesagt“, erzählt Barnaba Fornasetti. Im Garten denke er oft an ihn, er hat die Möbel als Prototypen entworfen, die Hollywoodschaukel, die Tische und Stühle mit zu Ranken und Spiralen verdrehten Metallhalmen, die Kissenbezüge voller saftiger Blutorangenscheiben und viele Trompel’oeil-Kunststücke. Pflanzen begeisterten und inspirierten ihn. Auf dem 300 Quadratmeter großen Hinterhofgrundstück des Familiensitzes im Viertel Città Studi hat er Hecken und Bäume gesetzt und Beete angelegt. Die knorrige Aprikose, die ausladende Kiwi, nicht wenige Gewächse sind älter als der inzwischen 66-jährige Hausherr, der sagt: „Bei meinem Vater sah es hier sehr geometrisch und manikürt aus, das habe ich geändert, dabei jedoch möglichst alle Gewächse erhalten.“ Im Team mit dem Gartenarchitekten Fabio Bedini hat er eine heitere Unordnung geschaffen.

Unter den Sitzgruppen liegen Teppiche aus Naturstein, in Fugen wächst, was der Wind sät. Zweige dürfen um die Wette wuchern, Blüten aus Terrakottakübeln quellen. Sein Motto sei: „Man muss jedem und allem ein gutes Maße an Freiheit gewähren.“ Der Vater hat das anders gesehen. „Er war ein schwieriger Charakter, egozentrisch, polemisch, unhöflich. Er hatte zwar ein großes Herz, das war aber nicht leicht zu entdecken“, sagt Barnaba Fornasetti, und dass er viele schöne Kindheitserinnerungen an ihn habe. Am liebsten denkt er an das Geschenk zurück, das er seinem Vater als Dreijähriger gemacht habe. Auf das Blatt einer Hortensie hatte er ein Gänseblümchen gelegt. „Mein Vater nutzte es als Motiv für eine Tablett-Kollektion. Ich war so stolz.“

Hof von Barnaba Fornasetti

Wie die Hortensien, seine Lieblingsblumen, bevorzugt Barnaba Fornasetti Schattenplätzchen. Die Gehölze gedeihen prächtig in dem Reich, das die Sonne nur im Sommer erreicht, drei Nachmittagsstunden lang. Die schwedenroten Mauern der Villa, Nachbarhäuser, Garagen schirmen es vor der Großstadt ab, genauso wie der bis zu drei Meter hohe Wall aus den Sträuchern, der ab Mai mit violetten und blauen Pompons raschelt. „Ich habe den Garten so bepflanzt, dass es das ganze Jahr bunt zugeht“, sagt Barnaba Fornasetti. Ab Februar tupfen Hyazinthen und Narzissen Farbe ins Grün, dann blühen Päonien, Glyzinen und Clematis weben Vorhänge, Petunien stellen Ampeln auf Rot. Im Spätsommer zünden Dahlien ihr Feuerwerk, und im Winter trägt Zierkohl Knallfarben.

Singvögel kommen zu Besuch, Schmetterlinge und, was ihn besonders freut, Fledermäuse. „Ich habe Kästen für sie gezimmert, damit sie bleiben und die Mücken fressen.“ Und dann beginnt Barnaba Fornasetti einen Monolog über Pestizide und Herbizide, die verboten werden sollten. „Ach“, sagt er, „ich höre besser auf damit, ich kann mich endlos darüber aufregen.“ Ein guter Moment, um zur Harke zu greifen.

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